Welpmann KONKRET 5

Welpmann KONKRET 5

Welpmann KONKRET Vol. 5: Autofreie Innenstadt – Belvedere-Parkplatz hochwertig entwickeln

Der Belvedere war früher Sitz der kurfürstlichen Jagdverwaltung (Hubertusburg), später war hier ein Hotel. Nach Angaben von Drösser (2016) war der Belvedere mit seinem „großen Fest- und Tanzsaal […] bis nach dem zweiten Weltkrieg Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Brühl“. Dieses Gebäude wurde 1971 abgerissen, heute parken Autos auf dieser zentralen Fläche in unmittelbarer Nähe zum Brühler Schloss.
Meine These: Mit dieser letzten größeren Freifläche in der Brühler Innenstadt lässt sich für eine nachhaltige Stadtentwicklung weit mehr anfangen, als dies heute der Fall ist. Auf dieser hochwertigen Fläche bietet sich eine Mischnutzung aus Wohnen, Kultur und kleinteiligem Einzelhandel an – genau hier könnte beispielsweise in Regie der Stadt Brühl das von mir angeregte Startup-Center für neue Geschäfte entstehen, die sich die hohen Mieten mit langlaufenden Verträgen in der Brühler Innenstadt nicht leisten könnnen. Ebenfalls vorstellbar ist, in diesem Bereich studentisches Wohnen für die Studierenden der Bundes-Hochschule zu ermöglichen, möglicherweise auch in Verbindung mit zusätzlichen Seminarräumen, die dort derzeit Mangelware sind. Ganz entscheidend ist aber das Wohnen als Hauptnutzung auf dieser Fläche, um die Innenstadt zu beleben und gerade auch älteren Menschen das Leben in der Innenstadt mit kurzen Wegen zu ermöglichen.
Übrigens: Ein völlig toter Platz wie der Franziskanerhof muss hier natürlich unbedingt verhindert werden, was aber durch eine Mischnutzung und ein öffentlich gesteuertes, partizipatives Planverfahren auch ohne weiteres möglich ist. Keinesfalls darf dieses Projekt jedenfalls rein private Investoreninteressen bedienen, sondern das öffentliche Interesse muss klar im Vordergrund stehen.
Und was passiert mit den heute auf dem Belvedere parkenden Autos? Ganz einfach: Diese erhalten eine moderne Parkpalette (Parkhaus in Leichtbauweise) auf der heutigen Schotterfläche zwischen Finanzamt und Bahnstrecke. Diese Parkpalette deckt den Einkaufsverkehr für die nördliche Innenstadt ebenso ab wie den Anwohner-Stellplatzbedarf für das Quartier rund um die Kaiserstraße und Königstraße bis hin zur Friedrichstraße. Auf den Straßen entsteht so genügend Platz für Fußgänger und Radfahrer und die Zahl der Stellplätze auf der Straße kann entsprechend reduziert werden.
Die Parkpalette würde kombiniert mit einem Leihradsystem, so dass die Menschen, die in der Innestadt einkaufen wollen, die letzten ca. 700 m bis zum Markt zu Fuß oder auch mit dem Fahrrad zurücklegen können – ein solches Leihfahrrad könnte bereits im Preis des Parktickets enthalten sein.
Die Kölnstraße würde zwischen Burgstraße und Comesstraße autofrei, die Fußgängerzone also entsprechend nach Norden erweitert. Ausnahmen wären möglich für Anwohner (Ein- und Ausladen), für Schwerbehinderte und für den Lieferverkehr der Geschäfte, wie sich das auch heute schon in der Fußgängerzone bewährt hat.

Welpmann KONKRET Vol. 5

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